Geschichte des Kornspeichers

Kornspeicher Nechlin

Erbaut wurde der Speicher, ein alten Kornspeicher, wie er typisch für die Uckermark ist, wahrscheinlich vor 300 Jahren, danach mehrfach umgebaut und bis in die 1990-er Jahre noch als Speicher und Mühle genutzt.

Das älteste Foto des Nechliner Speichers datiert von 1920, eine Aufnahme im Winter. Das faszinierende an dem Gebäude, ist die gesamte Bauweise: der Bau ruht nicht auf seinen Wänden, sondern auf dicken hölzernen Pfeilern, gegründet auf meterdicken Säulenfundamenten, welche die gesamte Holzkonstruktion bis zum Dach hinauf tragen. Man könnte die Außenwände wegnehmen, und das Dach stünde fest wie zuvor. Dicke Lehmböden schützen das Erdgeschoss vor Frost von unten, darunter ist ein Hohlraum, den 2 Meter dicke Wände vom Äußeren trennen. Auf drei Etagen wurde Korn mit einer Schütthöhe von einem Meter gelagert. Die alte Treppe nach oben kennt die Schritte wohl aller Nechliner und so mancher erinnert sich noch an die schwere Arbeit an diesem Ort. Obwohl viele solcher Speicher in der Region existieren, sind wohl wenige so erhaltenswert und auch gut erhalten.

Sanierung

Bei der Sanierung haben wir größten Wert auf die Verwendung historischer Materialien und den Erhalt des Gesamteindruckes des Gebäudes gelegt. So wurde der Keller, ein wunderbares Tonnengewölbe, gereinigt, die Steine gesäubert und mit einen leichten Pinselputz geschützt. Die gesamte Holzkonstruktion wurde durch Erhitzen auf über 60 Grad von Holzschädlingen befreit. Einem Neubefall wurde durch dichtschliessende Fenster vorgebeugt, welche ortstypisch wieder als Eisengitterfenster ausgeführt wurden. Nicht mehr tragfähige Teile der Holzkonstruktion wurden fachgerecht erneuert.

Das gesamte Dach wurde abgedichtet und neu eingedeckt. Dabei kam ein Stahldach zum Einsatz, wie es auch früher bereits für Wirtschaftsgebäude verwandt wurde – mit der Besonderheit, dass in die Dachfläche nahezu unsichtbar Photovoltaik integriert wurde. Äußerlich wurde der Speicher in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.  Im Inneren wurden unpassende nachträgliche Einbauten entfernt, wobei historisch interessantes erhalten blieb, wie die alte Elektoanlage, der Schaltschrank der elektrischen Mühle oder der Flaschenzug – denn das Gebäude sollten die Erinnerungen der Nechliner bewahren und gleichzeitig an ihr Leben erinnern.

Solararchitektur und Heizung
Das Gebäude wurde so konzipiert, dass es statt Energie zu verbrauchen, Energie erzeugt. Zu diesem Zweck wurde auf dem Dach eine fast unsichtbare PV-Anlage, entworfen von Astrid Schneider, installiert. Weitere PV-Elemente wurden an der Fassade untergebracht.

Die gelegentliche Nutzung des Gebäudes in der kühlen Jahreszeit wurde durch den Einbau eines Wasser-Luft-Wärmetauschers mit Gebläse im Erdgeschoss ermöglicht – da sämtliche Wärme aus erneuerbaren Quellen stammt, erfolgt dies vollkommen nachhaltig.
Die Beleuchtung erfolgt mittels Energiesparlampen bzw. LED.

Da der Speicher in der kühlen Jahreszeit wenig genutzt wird, wäre eine Wärmedämmung, welche sich aus Gründen des Denkmalschutzes ohnehin verbot, weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll gewesen. Die beste Energieeffizienz wurde also dadurch erreicht, dass sparsam saniert wurde, die Fenster und das Dach in einen dichten Zustand versetzt wurden und die gelegentliche Heizung vollständig aus erneuerbaren Energien erfolgt.

Nachhaltiges Bauen
Als Baumaterialien kamen nur ökologische Baustoffe zum Einsatz, größtenteils solche, die auch bereits vor zweihundert Jahren verwandt wurden, insbesondere Holz, Feldstein, Kalk und Stahl.
Die Holzkonstruktion wurde nicht auf chemischen, sondern auf wie oben beschrieben auf thermischen Wege von Schädlingen befreit.
Nicht eingesetzt wurden Aluminium und Kunststoffe.
 Die Umgebung des Energiespeichers wurde ortstypisch gestaltet: vor und neben dem Speicher wurde grossflächig historisches Kopfsteinpflaster neu verlegt. Ein Rosenbeet am Eingang erinnert an die Tradition des Rosenfeste in Nechlin. Vor dem Speicher wird alljährlich auch der Weihnachtsbaum des Dorfes geschmückt, bevor sich die Einwohner zur Weihnachtsfeier im Speicher treffen. Eine massive Holzbank vor dem Speicher ruft den Wanderer zur Ruhe. Hinter dem Speicher wurde ein kleiner Garten angelegt, der von Anwohnern bewirtschaftet wird.

Energie im Speicher

Die Energie- und Heizkraftanlage im Energiespeicher Nechlin besteht aus:

  • Rapsöl-Blockheizkraftwerk (25 kW elektrisch, notstromfähig),
  • Photovoltaikanlagen (45,5 kW) auf dem Speicher und umliegenden Gebäuden.

Der Speicher ist an das unterirdische Wärmenetz im Dorf angeschlossen.