Wohnen in Nechlin

Nechlin gehört zu den wenigen Orten in der nördlichen Uckermark ohne Leerstand. Dazu trägt auch der Komfort im 2009 sanierten Schnitterhaus bei, welches durch den solaren Umbau und die gute Dämmung kaum Energie benötigt. Das Wenige an Energie kommt auch noch aus dem Dorf, so dass niedrige Energiekosten dauerhaft sicher sind.

Von der Schnitterkaserne zum solaren Schnitterhaus

„Schnitter“ oder auch „Mäher“ wurden einst die Saisonarbeiter  bei der Getreideernte genannt. Die Getreideernte mit der Sichel, das Garbenbinden und das Dreschen erforderten sehr viel Handarbeit. Der Schnitter zog  also mit seinem Hauptwerkzeug, der Sense, im Sommer von Bauer zu Bauer und bot seine Dienste an, wobei ihm das zeitlich unterschiedliche Reifen der Felder zugutekam.  Der Beruf des Schnitters war, wie alle „fahrenden“ Berufe, stets mit Faszination behaftet, auf der anderen Seite standen die Schnitter als „Vagabunden“ gesellschaftlich auf sehr niedriger Stufe.  Für diese Wanderarbeiter wurden kasernenartige Unterkünfte gebaut.Eine solche Unterkunft war auch die Schnitterkaserne in Nechlin, in der die Saisonarbeiter des Gutes untergebracht waren.

Im Zuge der Bodenreform wurden 1946 die Gutseigentümer enteignet und das Gebäude geteilt. Der linke Teil wurde der Gemeinde zur Nutzung überlassen, der rechte Teil gehörte der Familie Rose.  Hier wohnten nun vor allem Umsiedler und Landarbeiter der LPG. Nach 1945 war hier auch BHG, die Bäuerliche Handelsgenossenschaft, untergebracht, bevor sie in das Gutshaus zog. 

In den Jahren 1973-1977 wurde das alte Gebäude auf typisch sozialistische Weise saniert und der  Charakter des Hauses verändert. Sicher war dies damals  ein großer Fortschritt, denn das vorher im Wesentlichen im Sommer genutzte  Gebäude musste „winterdicht“ gemacht werden. So wurden nun festschließende Fenster,  Zentralheizungen und Bäder eingebaut, was geradezu ein Luxus war.

Im Jahre 1985 wurde im östlichen Anbau eine Kinderkrippe eingerichtet. Nach dem Auszug der Kinderkrippe wohnten dort verschiedene auswärtige Mieter, bis das Gebäude 2009 grundlegend saniert wurde. Was sich zunächst einfach anhörte, war dann doch schwieriger als gedacht, denn die marode Bausubstanz erlaubte es nicht, die vorhandenen Mieter, meist betagte  Rentner, während der Umbauarbeiten im Gebäude zu belassen. Wir sind den damaligen Mietern sehr dankbar, dass sie sich darauf einließen, etwa ein halbes Jahr in einem Wohncontainer zu campieren. Doch das interessante Baugeschehen gab´s dafür gratis, direkt vor ihrer Nase. 

Solarer Umbau 2009

Das Gebäude in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, war natürlich nicht möglich. Die Fassade war durch Betonträger völlig verdorben,  die alten Mauern zu dünn und im schlechten Zustand. 

Wir  entschlossen uns daher, ein Gebäude zu schaffen, welches einerseits zum Speicher nebenan passt und andererseits kaum Energie verbraucht. Die Fassade erhielt eine 20 cm dicke gedämmte Außenhaut, so dass kaum Heizkosten anfallen. Die Dachkonstruktion inklusive Solaranlage übernahmen wir vom Speicher. Astrid Schneider, eine befreundete Architektin, die sich mit Solararchitektur bereits einen Namen gemacht hatte, brachte weitere Ideen ein. Die kleinen solaren Vordächer,die im Sommer kühlen Schatten spenden, sind eine Seltenheit.  Und einmalig dürften die solaren Fensterläden sein, die 2014 folgten. Hier gab es mehrere knifflige Probleme zu lösen, um Beweglichkeit und Statik in Einklang zu bringen.

Das Gebäude wurde außerdem als eines der ersten Gebäude in Nechlin an das Nahwärmenetz angeschlossen und bezieht seine wenige Heizwärme, ca. 30.000 kWh jährlich, aus Sonne und Wind. Die Solaranlage auf dem Dach erzeugt mit ca. 12.000 kWh soviel Strom, wie im Gebäude verbraucht wird.

Schon als wir den Speicher sanierten, haben wir immer wieder Leute getroffen, die sich für die Bautätigkeiten insbesondere die Solaranlagen und Windmühlen interessierten. Außerdem kamen mehr und mehr Radfahrer auf dem Radfernweg Berlin-Usedom entlang, die auf der Suche nach Speise & Trank oder einem Bett in Nechlin Station machen wollten.  Wir entschlossen uns daher, ein kleines Lokal im Gebäude einzurichten, das wir wegen seiner Nähe zum Speicher „Cafe zum Speicher“ nannten..

Am 1. Mai 2011 starteten dann Andreas & Marko K. mit Fleiß und kreativen Ideen. Schnell war das Cafe zu klein, der Speicher viele Wochenenden für private Feiern ausgebucht, und wir standen erneut vor einer Herausforderung: Wir brauchen Übernachtungsangebote. Doch das ist wieder eine andere Geschichte. Inzwischen ist das Café in die Alte Brennerei umgezogen und die Räumlichkeit wird als Wohnung genutzt.

Die alte Schnitterkaserne ist nun keine Kaserne mit Massenunterkünften mehr, sondern ein richtiges Haus mit dauerhaften Mietern. Daher verdiente es einen neuen Namen, und wir haben es in Schnitterhaus umgetauft.